Studien

Studien

In klinischen Studien werden Erkenntnisse über den diagnostischen und therapeutischen Wert neuer Arzneimittel gewonnen.
An unserem Institut führen wir klinische Studien der Phasen II-IV durch.

Klinische Studien

Neue Arzneimittel müssen für die therapeutische Anwendung am Menschen zugelassen werden. Für diese Zulassung werden strenge, gesetzlich geregelte Anforderungen gestellt, in denen das Arzneimittel seine Wirksamkeit und Sicherheit unter Beweis stellen muss.

In der letzten Phase der Entwicklung eines Medikaments, vor seiner Markteinführung und nachdem in Labor- und gegebenenfalls auch in Tierversuchen dessen Wirksamkeit und Unbedenklichkeit gezeigt wurde, wird der klinische Einsatz am Menschen geprüft.
Diese Untersuchungen werden als „klinische Arzneimittelprüfungen“ oder kurz „klinische Studien“ bezeichnet.

Eine Zulassung und die damit verbundenen klinischen Prüfungen sind nicht nur für völlig neuartige Medikamente erforderlich. Auch für jede Neukombination aus schon bekannten Wirkstoffen, die als Einzelpräparat jeweils schon eine Zulassung besitzen, ist eine erneute klinische Prüfung vorgeschrieben. Das gleiche gilt, wenn die Indikationsstellung eines schon am Markt befindlichen Medikaments erweitert werden soll. Beispielsweise dann, wenn ein Medikament, das bisher bei der Chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen (COPD) angewendet wurde, nun auch bei Asthma eingesetzt werden soll, oder wenn ein Arzneimittel, das bisher nur für den Einsatz bei Erwachsenen freigegeben war, auch bei Kindern eingesetzt werden soll.

Eine klinische Arzneimittelprüfung gliedert sich in 4 Phasen:

Phase I
Das Arzneimittel wird zum ersten Mal am Menschen angewandt. Die Tests erfolgen meist an gesunden und dafür bezahlten Probanden. Untersucht wird die Pharmakokinetik – „Was macht der Körper mit dem Medikament“ – wie wird das Medikament vom Körper aufgenommen, vom Stoffwechsel verarbeitet und wieder ausgeschieden, sowie die Pharmakodynamik - „Was macht das Medikament mit dem Körper“ - in welchen Organen reichert sich das Medikament an und welche Wirkung hat es dort. Dazu kommen spezielle Untersuchungen, beispielsweise: wie wirkt das Medikament auf die Fahrtüchtigkeit, welche Wechselwirkungen treten mit anderen Substanzen auf, welchen Einfluss haben Vorerkrankungen usw.
Phase I - Studien werden meist an Kliniken mit etwa 10-20 Probanden durchgeführt.
 

Phase II
Das Medikament wird erstmals an Patienten verabreicht, die das Krankheitsbild aufweisen, zu dessen Behandlung das Medikament vorgesehen ist. Es werden Dosis-Wirkungs-Beziehungen erfasst und die Kurzzeitverträglichkeit des Medikaments geprüft. Phase II - Studien werden mit etwa 200 Patienten durchgeführt. Sie finden häufig an Kliniken statt.


Phase III
Das Medikament steht nun unmittelbar vor seiner Zulassung. Die in der Phase II gewonnenen Erkenntnisse werden an einer größeren Zahl von Patienten und über einen längeren Zeitraum überprüft, um auch eventuelle seltenere Effekte und Nebenwirkungen zu erfassen. Die neue Therapie wird mit bereits etablierten Therapieformen verglichen. Phase III - Studien werden häufig bei niedergelassenen Ärzten durchgeführt. Insgesamt werden pro Studie oft mehr als 1000 Patienten untersucht.
 

Phase IV
Hier finden Untersuchungen mit bereits zugelassenen Medikamenten im Rahmen der zugelassenen Indikation statt. Es wird erneut die Wirksamkeit überprüft und mit anderen Therapieansätzen verglichen. Das Studiendesign ist ähnlich, aber meist einfacher gehalten als bei einer Phase III Studie. Dafür wird mit mehreren tausend Probanden eine höhere Zahl von Fällen erfasst.
 
Der Ablauf einer klinischen Prüfung ist in einem für jede Studie spezifischen Studienprotokoll festgeschrieben. Dieses legt die Voraussetzungen für die an der Studie teilnehmenden Probanden fest und gibt alle im Rahmen der Studie durchgeführten Prozeduren und Untersuchungen vor. Das Studienprotokoll muss von einer unabhängigen Ethikkommission geprüft und genehmigt werden.

Für klinische Studien werden hohe Qualitätsmaßstäbe angelegt. So wird heute in der Regel jede Studie randomisiert, placebokontrolliert und doppelblind durchgeführt.

placebokontrolliert – Schon allein die Überzeugung des Patienten, eine wirksame Therapie zu erhalten, bildet einen starken psychologischen Einfluss und kann zu einer subjektiv spürbaren und objektiv messbaren Verbesserung des Gesundheitszustands führen. Dies wird als Placeboeffekt bezeichnet. Eine Gruppe der Probanden bildet daher eine Kontrollgruppe, die ein Medikament ohne wirksame Substanz - das Placebo - erhält. Der andere Teil der Probanden bildet die Verumgruppe, die das zu untersuchende Arzneimittel erhält. Die Wirksamkeit einer Therapie gilt erst dann als nachgewiesen, wenn in der Verumgruppe eine statistisch gesicherte größere Verbesserung als in der Kontrollgruppe gemessen wird.

randomisiert – Die Probanden werden in Behandlungsgruppen eingeteilt, mindestens eine Kontroll- und eine Verumgruppe. Häufig werden auch verschiedene Dosierungen und Therapien miteinander verglichen. Eine typische Einteilung könnte beispielsweise wie folgt aussehen: Gruppe 1 bildet die Kontrollgruppe und erhält das Placebo, Gruppe 2 erhält das Studienmedikament in einer niedrigen Dosierung, Gruppe 3 in einer höheren Dosierung und Gruppe 4 in einer Kombination mit einem weiteren Wirkstoff. Damit die Zusammensetzung der Behandlungsgruppen vergleichbar ist, werden den Gruppen die Probanden durch ein Computersystem nach dem Zufallsprinzip zugewiesen. Dies wird als Randomisierung bezeichnet, von engl. random = zufällig.

doppelblind – Es handelt sich um einen sogenannten Blindversuch, wenn der Proband nicht weiß, welcher Behandlungsgruppe er angehört. Diese Verblindung ist notwendig, um eine Placebokontrolle zu erreichen. Dabei kann aber noch nicht ausgeschlossen werden, dass der Behandler, ohne dass er sich dessen bewusst ist, den Probanden beeinflusst oder ihm Hinweise gibt. Eine Studie ist doppelblind, wenn weder der Proband noch das Studienpersonal weiß, welches Präparat verabreicht wird.